Arbeitskreis trauernde Eltern und Geschwister

in Baden-Württemberg

Trauernde Großeltern und andere Angehörige (Annette Meier-Braun)

Während der Schmerz über den Verlust eines Kindes oder Geschwisters für Außenstehende noch nachvollziehbar ist, wird die Trauer von anderen Angehörigen wie Großeltern oder Tanten und Onkel oft gar nicht wahrgenommen. Aber auch diese hatten eine nahe, innige Beziehung zu den verstorbenen Kindern.

Sie freuten sich mit über ihre Geburt und haben sie auf ihrem Weg begleitet. Für Großeltern wird die Generationenfolge jäh zerstört und für sie stellt sich die Generationenfrage besonders deutlich: Die, in denen eigentlich einen Teil von ihnen weiterlebt und diesen weitergeben sollte, sterben vor ihnen. Das wird oft als sehr ungerecht erlebt. Manchmal sind sie selbst schon alt und deshalb dem Tode viel näher. Für viele Großeltern sind ihre Enkel sehr wichtig, sie sehen in ihnen ihre eigenen Kinder und die damit verbundene Lebensgeschichte. Häufig haben sie mehr Zeit für ihre Enkel, als sie für die eigenen Kinder hatten und nicht selten findet hier ein Stück Wiedergutmachung an Versäumtem statt. Hinzu kommt, dass Großeltern doppeltes Leid erleben: Einerseits ihren eigenen Verlustschmerz  um das Enkelkind und andererseits aushalten und sehen zu müssen, wie das eigene Kind, Sohn oder Tochter, Schwiegerkind leidet, ohne ihm helfen zu können.

Aber auch die Geschwister der trauernden Eltern haben einen Verlust erlitten. Onkel und Tanten übernehmen oft die Funktion von Patenschaften in Familien, das bedeutet sie übernehmen damit Verantwortung für die Kinder ihrer Geschwister. Die Beziehung zwischen diesen Verwandten und den Kindern ist häufig eng, gerade weil sie, genau wie die Großeltern, nicht in der Rolle der Erzieher sind. Dadurch kann mit ihnen über Themen gesprochen werden, die mit den Eltern vielleicht problematisch sind.

 Durch die vertrauensvolle Beziehung mit den Verwandten kann die Auseinandersetzung sozusagen eingeübt werden. Auch wenn die verstorbenen Kinder noch zu klein für solche Lebensabschnitte waren, trauern ihre Angehörigen auch um diese gemeinsame Zukunftsperspektive. Genauso wie um gemeinsame Aktivitäten, Dinge, die sie sich vorgenommen hatten mit den Kindern zu machen, ihnen vielleicht beizubringen und zu zeigen. Kurzum: Sie trauern um ein Stück gemeinsame Zukunft.


Beim Tod eines Kindes sitzen die Angehörigen wie „zwischen zwei Stühlen“: Zum einen trauern sie selbst, zum einen glauben sie, die „direkt Betroffenen“ trösten zu müssen. Da sie meist den trauernden Eltern emotional aufgrund der Familienbande sehr nahe stehen, erleben sie die Verzweiflung ihrer eigenen Kinder bzw. Geschwister sehr unmittelbar und erleben sich umso hilfloser. Auch wenn sie vor Freunden und Bekannten vom Tod des Kindes berichten fühlen sie sich nicht wirklich ernst genommen, schließlich sind sie nicht die Eltern. Sie erleben den Verlust aus einer anderen Perspektive als die Eltern. Sie stehen in ihrer Trauer zurück und erlauben sich nicht zu trauern und nehmen sich in ihrer eigenen Trauerbewältigung nicht so wichtig. Wie immer bei unbewältigter Trauer kann dies physische, soziale und psychische Auswirkungen haben.


Das heißt: auch Angehörige brauchen ihren eigenen Raum zum Trauern. Dies ist in einigen Internet-Foren möglich. Gesprächsangebote fehlen in der Regel. Hier wäre es nötig, über entsprechende Angebote nachzudenken und solche einzurichten.

Annette Meier-Braun, Dipl.-Psychologin  (2015)