Arbeitskreis trauernde Eltern und Geschwister

in Baden-Württemberg

Eine Stellungnahme (Annette Meier-Braun)

Gerade in letzter Zeit fällt mir auf, dass es vermehrt Websites gibt, die sich mit dem Thema Trauer und Tod beschäftigen. Dabei wird nicht wirklich deutlich, welches Ziel und welche Interessen verfolgt werden und von wem.

In Zeiten des zunehmenden Religionsverlustes ist es eine verständliche Entwicklung, dass andere Berufsgruppen wie Bestatter, Psychotherapeuten und Psychiater die Funktion der Kirchen übernehmen.

Auf der anderen Seite scheinen solche Homepages aber auch  ein gewisses Bedürfnis nach Sensationslust und Voyeurismus zu befriedigen in dem Sinne: „Gut, dass mir/uns so etwas nicht zustößt.“ Hinzu kommt, dass es sehr viel einfacher ist, jemandem aus der Distanz per Email zu kondolieren, als ihm persönlich sein Mitgefühl auszudrücken und zu zeigen.

Unsere Herangehensweise unterscheidet sich deutlich: Aufgrund einer eigenen schmerzlichen Geschichte haben sich viele uns sehr intensiv und über viele Jahre mit dem Verlust des eigenen geliebten Kindes, unabhängig davon wie alt dies war und an was es gestorben ist, auseinandergesetzt. Wir haben uns damit beschäftigt, uns konfrontiert, uns weitergebildet, uns entwickelt. Kurzum: Für viele es ist ein Lebensthema. Unsere Kompetenz und unser Mitgefühl für betroffene Trauernde sind unsere Motivation für unser Engagement. Wir wollen betroffene Menschen unterstützen und ihnen Raum für ihre Trauer geben in Selbsthilfegruppen oder in Gesprächen. Wir sind offen für trauernde Eltern, trauernde Geschwister und andere Familienangehörige. Wir sind kompetente Ansprechpartner (betroffene Eltern, Sozialpädagogen, Psychologen, Lehrer, Erzieher, Pfarrer ...) für GruppenleiterInnen von Trauergruppen und andere Berufsgruppen, die mit Trauernden arbeiten.

Grundsätzlich gilt: Trauern ist ein psychischer Prozess, der von Freud den Terminus „Trauerarbeit“ sicher nicht zufällig erhielt.

Der Weg durch die Trauer führt mitten durch sie hindurch. Trauer ist etwas, das durchlitten werden muss und mit tiefem Schmerz verbunden ist. Aber nur so ist ein Weiterleben, ein Überleben und eine Heilung möglich. Für den Trauernden geht es darum, eine neue innere Beziehung zum Verstorbenen zu finden, diesen Verlust in sein Leben zu integrieren, denn die Liebe bleibt ja, auch wenn sie sich verändert. D.h. eigentlich hat die Trauer eine positive Funktion. Das bedeutet, dass das tote Kind einen neuen anderen Platz in der Familie erhält. Trauer hilft eine neue Beziehung zum verstorbenen Kind zu finden. Es geht also nicht nur darum Abschied zu nehmen, sondern darum mit dem Verlust weiterzuleben.

Denn es gibt ein Weiterleben, ein Überleben trotz der Trauer um das tote Kind. Mit dem Kind stirbt nicht alles andere, was das Leben ausmacht mit.

Deshalb ist es unser Ziel Mut und Hoffnung zu machen, neue Wege zu gehen, eigene Ressourcen zu entdecken.

Wir fühlen uns solidarisch mit Betroffenen, denn wir wissen, wie schwer der Weg ist, den sie gerade gehen.

Annette Meier-Braun, Dipl.-Psychologin