Arbeitskreis trauernde Eltern und Geschwister

in Baden-Württemberg

Trauernde Eltern (Annette Meier-Braun)

Die Situation trauernder Eltern

„Mein Herz fühlt aus den Angeln sich gehoben… und alle Horizonte sind verschoben.“ (Hans Egon Holthusen)

Diese Zeilen aus einem Gedicht machen deutlich, dass es für Eltern nichts Schlimmeres gibt, als den Tod des eigenen Kindes. Denn der Tod des eigenen Kindes verändert mit einem Schlag das ganze Leben!

Von einem Moment auf den anderen ist nichts mehr so wie es war … alle Zukunftspläne, Wünsche, Hoffnungen sind zerstört. Die Gefühle, das Erleben, Wertungen und Bewertungen, Glaube, Prioritäten, Freundschaften, Partnerschaft, das Leben in der Familie … alles hat sich ungewollt und ungeplant verändert und ist nicht mehr rückgängig zu machen. Die Aussage: „Es hat mir den Boden unter den Füßen weggezogen“ hat tatsächlich wörtliche Bedeutung.

Es beginnt die Zeit, dieser unglaublich schmerzhaften Erfahrung einen Sinn zu geben, und einen neuen Lebens-Sinn zu finden. Wenn man weiß, dass das Wort „Sinn“ im Althochdeutschen „Reise und Wege“ bedeutet, wird sehr deutlich, was für eine Lebens-Aufgabe bewältigt werden muss. Eine Mutter sagt: „Für mich blieb die Zeit einfach stehen, während um mich herum das Leben weiterging, mein eigenes Leben machte keinen Sinn mehr.“ Sinnlosigkeit wird mit dem Unfassbaren gleichgesetzt.
Deshalb muss das Leben, einfach alles, neu gelernt werden. Eindrücklich beschreibt das ein Vater: „ Ich musste meinen Alltag ganz neu erlernen, ganz alltägliche Dinge wie zum Metzger gehen, einkaufen, mit jemanden reden…“

Trauer wird in ihrer extremsten Form erlebt und man lernt sich selbst von einer völlig fremden Seite kennen, die durchaus Angst machen kann.

Schließlich macht die Trauer und der Schmerz um das tote Kind doch ver-rückt, nichts ist mehr so wie es war, nichts ist mehr „normal“. Die gesamte Weltordnung ist ja tatsächlich „verrückt“ und wird auf den Kopf gestellt. Es entspricht nicht unserer normalen Vorstellung, dass Kinder vor den Eltern sterben.

Es gibt keine Mutter oder Vater, die nicht ab und zu Angst haben, den Kindern könnte etwas zustoßen, vielleicht sogar der Tod. Denn

Der Tod, der unwiederbringliche Verlust eines Kindes, ist der nie zu Ende geträumte Alptraum aller Eltern“ wie U. Goldmann-Posch sagt.

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