Arbeitskreis trauernde Eltern und Geschwister

in Baden-Württemberg

Modelle und Theorien zum Ablauf der Trauer (Annette Meier-Braun)

In der Trauerforschung und der Suche nach Erklärungsmodellen hat sich in den letzten Jahren  viel bewegt und entwickelt. Das liegt unter anderem daran, dass es mehr Öffentlichkeit zu  Themen wie Sterbebegleitung (z.B. in Hospizen), aber auch zum Thema Tod von Kindern gibt.

In den sechziger Jahren machte Elisabeth Kübler-Ross Sterben, Tod und Trauer zum öffentlichen Thema und wurde damit sehr bekannt. Viele bedeutende Autoren (vor und nach ihr) wie S. Freud, J. Bowlby, J.W. Worden und V. Kast, R.M. Smeding. J. Canacakis beschäftigten sich mit dem Trauerprozess. Sie haben dafür gesorgt, dass trauernden Menschen wieder Aufmerksamkeit und Interesse in unserer Gesellschaft entgegengebracht wurde und der Tod ent-tabuisiert wurde.

Viele ihrer Annahmen sind heute von der neueren Forschung aufgegriffen und erweitert worden. Das gilt für alle Aspekte der Trauer wie Symptome, Dauer, Risiken und den Verlauf. Andere Erklärungsmodelle sind dazu gekommen.

Neben den Phasen- und Aufgabenmodellen gibt es Modelle, die Trauer als Spirale beschreiben wie M. Schibilsky oder E. Schuchardt.

Aus der Erkenntnis, dass Trauer nicht linear verläuft wie Traurigkeit, sondern in Wellen, entwickelte sich das Duale Prozessmodell der Trauerbewältigung, DPM nach Dr. Margaret S. Stroebe und Henk Schut.

Sehr aktuell ist der Hypnosystemischer Traueransatz von Roland Kachler. Dabei wird der Trauerprozess als kreative Beziehungsarbeit gestaltet.

Es ist durchaus hilfreich, sich mit diesen Modellen zu beschäftigen, um die Gefühle und Erfahrungen Trauernder besser zu verstehen.

Die unterschiedlichen Modelle können deshalb sowohl für Betroffene als auch für Helfende eine Orientierungshilfe sein. Quasi wie eine ungefähre Landkarte, die anzeigt, wo sich der Trauernde gerade auf seinem Trauerweg befindet. Solch eine Einordnung des Erlebten kann durchaus entlastend sein. Wichtig ist an diesen Modellen zum einen, dass sie den Prozesscharakter der Trauer verdeutlichen. Zum anderen, dass auch negative Trauergefühle wie Zorn, Verzweiflung, Ohnmacht, Schuldgefühle  als „normal“ und vorübergehend angesehen werden.

Kritisch an der Verwendung mancher Modelle ist, dass Menschen, die mit Trauernden zu tun haben, egal ob Freunde, Kollegen, Ärzte u. Therapeuten das Modell gebrauchen, um sich daran festzuhalten und um danach zu bewerten und zu handeln. D.h. sie scheinen die Fachleute zu sein und nicht der Trauernde selbst.

Ich halte es aber bei der Begleitung von Trauernden für ganz wichtig, sich frei zu machen von eigenen Vorstellungen und Erwartungen, was richtig oder falsch ist, zum Beispiel welche „Phase“ gerade dran ist oder nicht. Der Einzelne wird sonst nicht in seiner Individualität und Befindlichkeit wahrgenommen. Seine Trauer erscheint dann nicht mehr normal, sondern krankhaft (pathologisch).

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