Arbeitskreis trauernde Eltern und Geschwister

in Baden-Württemberg

Umgang mit trauernden Eltern (Annette Meier-Braun)

Der Umgang mit trauernden Eltern ist ein besonders sensibles Thema. Oft erzählen Betroffene darüber, dass sie Reaktionen des Umfeldes als sehr verletzend, kränkend und destruktiv erlebt haben. Das, was als Trost gedacht war, erleben sie wie Schläge ins Gesicht. Denn es gibt keinen Trost in einer solchen Situation.

Die meisten haben solche Reaktionen und Verhaltensweisen in unterschiedlichen Situationen und Ausprägungen erlebt, angefangen vom Wechseln auf die andere Straßenseite, Ignorieren des Verlustes und so tun als sei nichts geschehen und zahlreichen verbalen Äußerungen wie: „das Leben geht weiter, die Zeit heilt alle Wunden, du musst an deine anderen Kinder denken, du kannst ja noch Kinder bekommen…“usw., um nur ein paar eher harmlose Äußerungen zu nennen. Ich erlebe oft, dass dies in vielen Einzelgesprächen mit Betroffenen, aber auch in den Gruppen thematisiert wird. Im Gespräch miteinander ist es notwendig, solche Erfahrungen neu zu bewerten, indem deutlich wird, dass andere überfordert sind und selbst Angst haben.

Verstanden in ihrem Schmerz fühlen sich Trauernde, wenn der Andere die eigene Betroffenheit zulässt und auch seine Ohnmacht und Unsicherheit zeigen kann.

Auch Fachkräfte können in bester Absicht inadäquat reagieren: nach wie vor passiert es, dass Eltern ihr totes Kind nicht zu sehen bekommen. Dies geschieht mit dem Argument, die Eltern schonen zu wollen. Unabhängig ob es vor der Geburt, an einem Unfall oder auf andere Weise starb, ist das Sehen des toten Kindes für einen heilenden Trauerprozess notwendig und wichtig.

Man muss sich immer wieder klar machen, dass etwas UNVORSTELLBARES geschehen ist: es geht nicht darum, ob das gestorbene Kind nicht mehr schön aussieht. Zahlreiche Erzählungen von Eltern machen mir dies immer wieder deutlich: Im Moment des akuten Schmerzes spielt das keine Rolle, sondern es geht darum zu begreifen, dass das eigene Kind tot ist, darum die Wirklichkeit des Verlustes zu begreifen! Oft erzählten sie Jahre später, dass sie da erst den Zustand ihres Kindes, wie es aussah, ob es verstümmelt war oder Wunden hatte, wahrnehmen konnten.

Auch viele therapeutisch arbeitende Personen tun sich im Umgang mit Trauernden schwer. Sie bieten Lösungen und gute Ratschläge und haben dabei eindeutige Symptombilder, die in Trauerphasen unterteilt sind im Kopf. Ein gutes Beispiel dafür ist dann die Aufforderung: „Du musst loslassen. Sonst kannst du nicht vernünftig weiterleben“. (Das vermittelt den Eindruck, der Trauernde muss nur wollen und dann funktioniert das.) Wenn sie selbst nicht fest-halten müssen an starren Phasenmodellen, sondern los-lassen können, dann sind sie vielleicht auch fähig dem Trauernden sein Los zu lassen und ihn auf seinem individuellen Weg zu begleiten.

Es geht nicht um richtiges oder falsches Trauern. Es geht darum, was hilft um weiterzuleben. Der Trauernde bestimmt seinen Weg durch die Trauer, auch wenn er noch nicht weiß, wo dieser ihn hinführt. Es gibt für Trauer keine Vorgaben über das Ausmaß und die Dauer.

 

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